• Generationengerechte Wohnungen richtig deklarieren

Generationengerechte Wohnungen richtig deklarieren

30.05.2018     lic.iur. Thomas Oberle, Jurist beim HEV Schweiz

Procap – Die hindernisfreie Gestaltung des Wohnumfelds ermöglicht es älteren oder behinderten Menschen, möglichst lange unabhängig zu wohnen. Unentgeltliche Prüfberichte von Procap helfen, solche Wohnungen bei Ausschreibungen entsprechend zu deklarieren.

Das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) und die Behindertengleichstellungsverordnung (BehiV) enthalten die rechtlichen Rahmenbedingungen für Wohnbauten. Die SIA Norm 500 «Hindernisfreie Bauten» nimmt diese Vorgaben in der Kategorie III «Bauten mit Wohnungen» auf. Themen dieser Kategorie sind die rollstuhlgängige Erreichbarkeit der Wohnungen, die Anpassbarkeit der Wohnungen mit geringem baulichen Aufwand an die individuellen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung sowie die Eignung der Wohnungen für alle Besucher, allenfalls mithilfe Dritter.

Anzahl älter werdender Personen steigend

Die Anzahl der älter werdenden Menschen in der Schweiz steigt laufend. Es wird damit gerechnet, dass bis im Jahr 2020 jede fünfte Person über 65 Jahre alt sein wird, bis im Jahre 2040 sogar jede vierte. Rund 700 000 Personen werden dann 80 Jahre alt oder älter sein. Da ältere Menschen heute immer länger in einem eigenen Haus oder einer eigenen Wohnung leben wollen, wird auch die Bedeutung des hindernisfreien Bauens laufend wachsen. Weil die Nachfrage nach behindertengerechten Mietwohnungen zunehmen wird, liegt es im Interesse der Vermieter, Wohnungen richtig zu deklarieren, um diese an entsprechende Personen vermieten zu können. Procap Bauen (für Menschen mit Handicap) erstellt auf Wunsch anhand von Grundrissplänen unentgeltlich Prüfberichte, die dem Vermieter bescheinigen, dass seine Wohnungen oder seine Wohnung rollstuhlgängig bzw. generationengerecht sind. Procap empfiehlt, diese Wohnungen im Dossier entsprechend zu markieren und bei der Vermietung oder beim Verkauf auf Online-Immobilienmärkten und in Printmedien als rollstuhlgängig bzw. als generationengerecht zu deklarieren.

Hindernisfreie Gestaltung des Wohnumfelds

Die hindernisfreie Gestaltung des Wohnumfelds ermöglicht es älteren Menschen, möglichst lange unabhängig wohnen zu können. Wichtig sind gute Lichtverhältnisse und grosszügige Bewegungsmöglichkeiten für Rollatoren.

Rollstuhlgängige Wohnungen

Damit eine Mietwohnung als rollstuhlgängig angeboten werden kann, müssen sechs Minimalanforderungen zwingend erfüllt sein. Die minimalen Anforderungen dienen ausschliesslich als Beurteilungsgrundlage für die Rollstuhlgängigkeit von bestehenden Wohnungen. Die nachfolgenden Bewertungsstandards für das Vermitteln von rollstuhlgängigen Wohnungen wurden von Procap und der Schweiz. Fachstelle Hindernisfreie Architektur erarbeitet und werden von Wohnbaugenossenschaften Schweiz, dem Verband der gemeinnützigen Wohnbauträger, unterstützt.

  • Stufenloser Zugang ab Strasse oder Trottoir bis zur Wohnungseingangstüre;
  • Liftkabine: 1,10 m breit, 1,40 m tief, Türbreite 80 cm (in Altbauten ausnahmsweise auch 1,0 x 1,25 m zulässig);
  • Keine Niveauunterschiede in der Wohnung;
  • Korridorbreiten von mindestens 1,20 m;
  • Türen zur Wohnung, zu den Zimmern, zu WC / Bad / Dusche und zur Küche: mindestens 80 cm breit, schwellenlos (in Altbauten ausnahmsweise auch 75 cm);
  • Raumgrösse WC / Bad mindestens 1,70 x 2,20 m, WC / Dusche mindestens 1,65 x 1,80 m. Mindestens einer dieser Räume muss vorhanden sein.

Generationengerechte Wohnungen

Die nachfolgenden ergänzenden Kriterien sind empfehlenswerte Zusatzqualitäten im Hinblick auf eine stetig älter werdende Bevölkerung. Wenn alle Zusatzqualitäten erfüllt sind, kann die Wohnung als generationengerecht bezeichnet werden. Eine weitere Idee ist es auch, dass die Zusatzqualitäten in die Planung von Neubauprojekten und Sanierungen einfliessen. Es empfiehlt sich zudem, sie im Fliesstext des Inserates aufzuführen:

  • Zugang zu Sitzplatz / Terrasse / Balkon. Absatzhöhe höchstens 2,5 cm, Türbreite mindestens 80 cm, nutzbare Nettofläche von mindestens 4,8 m2 (keine Raumdimension unter 140 cm);
  • Manövrierfläche in der Küche: mindestens 1,40 x 1,70 m. Bei Zweifrontenküchen: Abstand zwischen den Fronten mindestens 1,20 m;
  • Stufenlos zugängliche Waschküche, Abstell- und Kellerräume oder Zugang zu Waschmaschine und Tumbler in der Wohnung;
  • Rollstuhlparkplatz, Breite mind. 3,50 m. Stufenloser Zugang von der Wohnung zum Parkplatz in Einstellhalle oder Garage;
  • Schwellenlose Dusche 1,10 x 0,90 m oder 1,00 x 1,00 m, mind. 0,90 x 0,90 m;
  • Rollstuhlgerecht zugänglicher Abstellraum für Strassenrollstühle und Scooter, vorzugsweise neben Hauseingang, pro 5 Wohnungen ein Platz in abgeschlossenem Raum (kann auch im Veloraum o. Ä. sein), mind. 1,1 x 1,4 m mit Steckdose zum Aufladen der Akkus.

WEITERE INFOS

Bezüglich der Erstellung eines Prüfberichtes kann man sich direkt mit Procap Bauen in Verbindung setzen.

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Tel. 062 206 88 50