• Ob halb voll oder halb leer, am Rosengarten gibt es nur dieses Glas

Ob halb voll oder halb leer, am Rosengarten gibt es nur dieses Glas

17.01.2020 Albert Leiser

In letzter Zeit häufen sich in den Medien ausführliche Berichte über die Schattenseiten des Projekts Rosengartentunnel. Man könnte manchmal meinen, es gehe bei diesem um eine Laune wild gewordener Planer, vor welcher die Stadt zu schützen sei.

Vergessen scheint, dass diese Verkehrsachse mit gegen 60 000 Fahrzeugen täglich zu den meistbefahrenen durch ein Wohngebiet führenden Strassen der Schweiz gehört. Dass die Anwohner Tag für Tag unter verpesteter Luft, Lärm und Dreck leiden und dass seit vierzig Jahren Abhilfe gefordert wird. Vergessen scheint gelegentlich auch, dass bisher alle Anläufe, die unterschiedlichen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen, gescheitert sind.

Erstmals liegt ein Projekt vor, welches die Blockade überwinden könnte. Den rollenden Verkehr unter den Boden zu verbannen, kommt den Autogegnern entgegen. Es macht den Weg frei, um oberirdisch Platz für Fussgänger und Velofahrer attraktiven Platz zu schaffen. Das Quartier würde in hohem Masse an Lebensqualität gewinnen. Der öffentliche Verkehr wird überdies durch eine neue Tramverbindung gestärkt. Und auch alle diejenigen, die auf diese Verkehrsachse angewiesen sind, dürfen auf eine Verbesserung des Verkehrsflusses rechnen. Anzufügen ist, dass die üppigen Mittel des Strassenverkehrsfonds wie für so ein Strassenbauprojekt prädestiniert sind, bringt es doch Vorteile für Automobilisten und Anwohner, für Stadt und Kanton. 

Die vorliegende Gesamtlösung zu verwerfen, hiesse die gegenwärtige, unhaltbare Situation auf weitere Jahrzehnte hinaus zu zementieren. Wer auf eine Lösung ohne Nachteile hofft, gibt sich einer Illusion hin. Es ist leider nicht die Frage, ob das Projekt alle Wünsche erfüllt. Ein solches wird es nie gegeben. Es geht vielmehr realistisch zu bleiben und die Gelegenheit am Schopf zu packen, um aus einer hoffnungslosen Situation das Bestmögliche zu machen. Und was die beschwerliche Bauzeit anbelangt: Man kann nun mal den Pelz nicht waschen, ohne ihn nass zu machen.