• Zukunftsweisende Architektur oder Phönix aus der Asche?

Zukunftsweisende Architektur oder Phönix aus der Asche?

24.09.2018 Albert Leiser

Wieder einmal gilt es in unserer Stadt darüber zu entscheiden, was besser ist - alt oder neu? An der Brandruine am Bahnhofplatz scheiden sich selbst unter jenen die Geister, die dazu neigen, jedes Gebäude als Zeitzeuge zu bewahren. Zu denen zähle ich mich bekanntlich nicht. Ich richte meinen Blick lieber vorwärts als nostalgisch rückwärts. Gerade beim Bauen. Gerade in der Stadt Zürich.

Ich finde es in Anbetracht des raren Baulandes unverzeihlich, nicht jede sich bietende Gelegenheit für einen Bau zu nutzen, der in jeder Hinsicht modernsten Ansprüchen entspricht und heutige Bedürfnisse erfüllt. Ist das Neue nutzungsmässig, energetisch und wirtschaftlich besser, sollen Altbauten dafür Platz machen.

Aber diesmal ist vieles anders.

An sich wäre eine so prominente Stelle prädestiniert für einen spektakulären Neubau. Eigentlich bietet sich die einmalige Gelegenheit zusammen mit dem Ersatzbau für das Globusprovisorium am Eingang zum Stadtzentrum ein architektonisches Ausrufzeichen zu setzen. Eigentlich. Aber das ausgebrannte Haus ist kein einsamer Zeitzeuge, wie es beispielsweise die maroden Turnhallen am Pfauen waren. Es ist vielmehr Teil eines sonst intakten baulichen Ensembles. Als das nehmen wir jedenfalls die Fassaden zum Bahnhof Tag für Tag wahr. Auch wenn sie das bei genauerer Betrachtung wohl nicht wirklich sind. Wer weiss, wie oft schon alle diese Fassaden aufgefrischt, repariert, erneuert worden sind? Wer vermag zu erkennen, welche Teile davon sich noch im Urzustand befinden? Wie gross muss der Anteil an Originalem sein, damit das Ganze noch als erhaltenswert gilt?  

Kann sein, dass die bautechnischen Abklärungen ergeben, dass die Reste der Fassade nicht zu retten sind. Kann sein, dass es aus denkmalschützerischer Sicht eine Sünde ist, eine historische Fassade vorzutäuschen und dahinter ein modernes Gebäude zu errichten. Kann sein, dass es einfacher und billiger wäre, einen Neubau aus einem Guss mit einer zeitgemässen Fassade zu erstellen. Trotzdem hoffe ich, dass die private Bauherrschaft, die zuständige Baubehörde und der Denkmalschutz über ihren Schatten springen und sich darauf einigen, den Bahnhofplatz wieder so auferstehen zu lassen, wie er vor dem Brand war.